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Vollversammlung in Villach: Landarbeiterkammern fordern verpflichtende Herkunftsangabe auch im Wirtshaus

20.10.2026

Fehlende Herkunftsangaben erhöhen nach Ansicht der ÖLAK den Druck auf Löhne und Arbeitsplätze

Am 7. Oktober 2026 kamen die Delegierten der Landarbeiterkammern in Villach zur Vollversammlung der Österreichischen Landarbeiterkammer (ÖLAK) zusammen. Den Vorsitz führte ÖLAK-Vizepräsident HR Ing. Eduard Zentner, Präsident der Landarbeiterkammer Steiermark.

Grußworte und AUVA-Vortrag
Zu Beginn richtete Kärntens Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber Grußworte an die Vollversammlung und hob die Bedeutung der landwirtschaftlich Beschäftigten für die landwirtschaftliche Produktion hervor. In Vertretung für den Bürgermeister von Villach begrüßte Stadtrat Harald Sobe die Delegierten der Österreichischen Landarbeiterkammer. 
Im Anschluss stellte Herr Ing. Mst. Gerald Müller von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in einem Fachvortrag deren Aufgaben vor. Im Mittelpunkt standen Prävention, Arbeitssicherheit und der gesetzliche Unfallversicherungsschutz.

Tagesordnung
Beraten wurde über die Änderungen im Pensionssystem, die Entgelttransparenz, die Sicherheit am Arbeitsplatz und die wirtschaftliche Lage der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe. Ein weiterer Punkt war die Frage, wie die Landarbeiterkammern ihre Arbeit bei den Mitgliedern und in der Öffentlichkeit bekannter machen können. Gemeint sind vor allem die Beratung in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen und das Angebot in der Aus- und Weiterbildung.

Herkunft ist ein Arbeitnehmerthema
Ausführlich diskutiert wurde die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln, die die Kammern auch als Anliegen der Beschäftigten sehen. Fehlt im Gasthaus oder auf dem Fertigprodukt die Angabe, woher Fleisch, Milch und Eier stammen, entscheiden Kundinnen und Kunden nach dem Preis. Heimische Ware wird nach Kollektivvertrag, unter geregelten Arbeitszeiten und nach den Vorgaben des Arbeitnehmerschutzes erzeugt. Sie muss sich dann gegen Importe behaupten, die zu niedrigeren Löhnen und unter schlechteren Bedingungen produziert werden. Nach Einschätzung der ÖLAK sparen die Betriebe unter diesem Druck beim Personal. Wer bleibt, muss mehr leisten, und die Lohnverhandlungen werden schwieriger.
Seit 1. September 2023 müssen Betriebskantinen die Herkunft von Fleisch, Milch und Eiern angeben. Für die Gastronomie und für verarbeitete Lebensmittel gilt das nicht. Der Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats hat eine Kennzeichnung in der Gastronomie bereits mehrfach diskutiert, auch ein freiwilliges Modell war im Gespräch. Den Delegierten reicht das nicht, weil vor allem jene Betriebe freiwillig kennzeichnen würden, die ohnehin heimisch einkaufen.

Mercosur und Brasilien
Das EU-Mercosur-Abkommen wird seit 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Schon 2025 importierte Österreich rund 2.156 Tonnen Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten, knapp 13 Prozent mehr als im Jahr davor. Im Fall Brasilien haben zugesagte Kontrollen nicht ausgereicht. Ende 2025 gelangte Fleisch von Rindern, die mit dem in der EU verbotenen Hormon Östradiol behandelt worden waren, auf den europäischen Markt und musste in mehreren Mitgliedstaaten zurückgerufen werden. Seit 3. September 2026 dürfen Rinder, Geflügel, Eier und weitere tierische Erzeugnisse aus Brasilien nicht mehr in die EU ausgeführt werden, weil das Land die EU-Vorgaben zum Antibiotikaeinsatz nicht erfüllt.

Fachkräfte in den Betrieben
Beim Verkauf von Antibiotika für Nutztiere liegt Österreich deutlich unter dem EU-Schnitt. Laut Europäischer Arzneimittel-Agentur wurden 2024 in Österreich 20,1 Milligramm antibiotischer Wirkstoffe je Kilogramm Biomasse lebensmittelliefernder Tiere verkauft, im EU-Durchschnitt waren es 46,1 Milligramm. Die ÖLAK sieht darin auch ein Ergebnis der Sorgfalt gut ausgebildeter Fachkräfte. Am 3. November 2026 ehrt sie in Salzburg Facharbeiterinnen und Facharbeiter sowie Meisterinnen und Meister der Land- und Forstwirtschaft.

„Die Qualität unserer Lebensmittel kommt aus der Arbeit in den Betrieben. Wenn diese Arbeit auf der Speisekarte und im Regal nicht sichtbar ist, lässt sich auch die Qualität der Arbeitsplätze auf Dauer nicht halten“, sagte Vizepräsident Zentner.
 

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